Ausgabe 48/2014
Arbeits- und Sozialversicherungsrecht vom 27.11.2014
BAG, Urt. v. 18.11.2014 - 9 AZR 584/13, n.rkr.

Arbeitszeugnis: Arbeitnehmer muss bessere Leistungen als "befriedigend" beweisen

Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein und dürfen das berufliche Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschweren. Dieser von der Rechtsprechung aufgestellte Grundsatz hat dazu geführt, dass in Arbeitszeugnissen häufig äußerst wohlwollend formuliert wird. Studien haben ergeben, dass 90 % der Arbeitszeugnisse die Note "sehr gut" und "gut" aufweisen. Dies steht in Widerspruch zur Beweislastverteilung im Zeugnisrechtsstreit, wonach ein mit der Note "befriedigend" bewerteter Arbeitnehmer beweisen muss, dass seine Leistungen nicht nur durchschnittlich, sondern überdurchschnittlich waren. Dies gelingt nur in seltenen Fällen. Das BAG hat nun Gelegenheit erhalten, seine Rechtsprechung an die Praxis des Wirtschaftslebens anzupassen und den Maßstab des durchschnittlichen Zeugnisses von der Note "befriedigend" auf die Note "gut" zu verschieben.