Ausgabe 23/2019
Steuertipp vom 04.06.2019

Begriff der "beruflichen Tätigkeit" bei der unternehmerischen Beteiligung nach § 32d Abs. 2 Nr. 3 Buchst. b EStG

Nach § 32d Abs. 2 Nr. 3 Buchst. b EStG kann auf Antrag für Kapitalerträge nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 EStG aus einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft unter bestimmten Voraussetzungen zur tariflichen Einkommensteuer optiert werden. Hierzu ist es u.a. erforderlich, dass der Steuerpflichtige an der ausschüttenden Kapitalgesellschaft unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1 % beteiligt und für diese beruflich tätig ist.

Der BFH hatte die Frage zu entscheiden, ob ein Antrag nach § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG auch dann wirksam gestellt werden kann, wenn der Steuerpflichtige nicht beruflich für die Kapitalgesellschaft tätig ist, an der er beteiligt ist. Im Streitfall war der Steuerpflichtige an der Muttergesellschaft mit 5,75 % beteiligt und für die 100%ige Tochtergesellschaft als Geschäftsführer tätig.

Mit Urteil vom 27.03.2018 - VIII R 1/15 (BStBl II 2019, 56) hat der BFH entschieden, dass für einen Antrag gem. § 32d Abs. 2 Nr. 3 Buchst. b EStG nicht erforderlich ist, dass die berufliche Tätigkeit unmittelbar für diejenige Kapitalgesellschaft erfolgt, für deren Kapitalerträge der Antrag nach § 32d Abs. 2 EStG gestellt wird. Eine Tätigkeit auf Ebene einer Tochtergesellschaft ist danach ausreichend, wenn diese Tätigkeit aufgrund besonderer Umstände in einem engen Zusammenhang zur Beteiligung an der Muttergesellschaft steht.