Ausgabe 44/2017
Einkommensteuer Aktuell vom 30.10.2017
OFD Chemnitz, Kurzinfo v. 22.09.2017 - ESt 46/2014

Bilanzsteuerrechtliche Behandlung von Verbindlichkeiten bei Unternehmensinsolvenz

Auf der Grundlage der aktuellen BFH-Rechtsprechung hat die OFD Nordrhein-Westfalen zu der Frage Stellung genommen, ob und ggf. zu welchem Zeitpunkt in den Fällen, in denen über das Vermögen eines Unternehmens das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, Verbindlichkeiten des Insolvenzschuldners abweichend vom Nennwert mit dem niedrigeren Wert zu bewerten sind. Danach gelten folgende Grundsätze:

Grundsätzliche Passivierungspflicht wegen wirtschaftlicher Belastung

Zu dem Zeitpunkt, zu dem das Vorliegen eines Insolvenzgrunds (vgl. § 16 InsO) zu prüfen ist, und auch während des Insolvenzverfahrens ist von einer wirtschaftlichen Belastung des Schuldners in Höhe des Nennbetrags der Verbindlichkeit auszugehen.

Da die Insolvenzgläubiger ihre restlichen Forderungen auch nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens noch geltend machen können (§ 201 Abs. ), ist insoweit eine wirtschaftliche Belastung des Schuldners auch nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens weiterhin anzunehmen. Ob Verbindlichkeiten einer nach der Auflösung (vgl. § , § ) in der Liquidation befindlichen Kapitalgesellschaft bei der Bewertung des Abwicklungsendvermögens weiterhin mit dem Nennwert zu erfassen sind oder ausnahmsweise außer Ansatz bleiben, weil sie definitiv keine wirtschaftliche Belastung (mehr) darstellen, ist unter Berücksichtigung aller Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu entscheiden.