Ausgabe 32/2017
Arbeits- und Sozialversicherungsrecht vom 08.08.2017
BAG, Urt. v. 15.12.2016 - 8 AZR 418/15, rkr.

Indizien für eine Diskriminierung bei Stellenanzeigen

Stellenanzeigen müssen dem AGG entsprechen. Bei einem Verstoß kann ein abgelehnter Bewerber gem. § 15 Abs. 2 AGG Anspruch auf Entschädigung haben.

2013 schrieb die Beklagte eine Stelle als "Software Entwickler (w/m)" aus. Sie wies in der Anzeige auf "engagierte, freundliche Kollegen" hin. Zudem stellte sie ein Online-Bewerbungsformular zur Verfügung, auf dem Angaben zur Anrede ("Frau"/"Herr") sowie zu bestehenden Deutschkenntnissen gemacht werden mussten. Bei den Deutschkenntnissen konnte zwischen "Muttersprache", "verhandlungssicher", "fortgeschritten" und "Grundkenntnisse" gewählt werden.

Die Klägerin ist Informatikerin und deutsche Staatsangehörige russischer Herkunft. Sie bewarb sich auf die Stelle u.a. durch Ausfüllen des Bewerbungsformulars. Bei der Frage nach den Deutschkenntnissen wählte sie "fortgeschritten". Die Beklagte stellte einen im Vergleich mit der Klägerin jüngeren männlichen Bewerber ohne einschlägige Berufsausbildung, jedoch mit einschlägiger Berufserfahrung ein. Die Klägerin meinte, durch das Verwenden der männlichen Form im Fließtext sowie der Abfrage der Anrede und der Deutschkenntnisse sowie des Alters sei sie diskriminiert worden.