Ausgabe 27/2020
Steuertipp vom 01.07.2020

Lohnsteuerhaftung: Werbungskostenabzug bei GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer

Das FG Hessen hatte über die Frage zu entscheiden, ob bei einem GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer ein Werbungskostenabzug nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit aufgrund seiner Haftungsinanspruchnahme für die für ihn selbst einbehaltene, aber nicht abgeführte Lohnsteuer zulässig ist oder ob insoweit das Abzugsverbot nach § 12 Nr. 3 EStG greift.

In seinem Urteil vom 19.11.2019 - 6 K 360/18 hat das FG Hessen die Aufwendungen als durch den Beruf veranlasst angesehen und daher den Werbungskostenabzug nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG bejaht. Es hat sich der Auffassung sowohl des FG Köln (Urt. v. 20.10.1992 - 8 K 4449/88) als auch des FG Niedersachsen (Urt. v. 18.03.1993 - XI 264/88) angeschlossen, dass das Abzugsverbot nach § 12 Nr. 3 EStG nicht einschlägig sei, weil § 12 Nr. 3 EStG nur eigene Steuerschulden des Steuerpflichtigen betreffe, es sich bei der aufgrund der Haftungsinanspruchnahme erfolgten Zahlung aber um eine fremde Steuerschuld handele. Denn die Lohnsteuer hat nach § 38 Abs. 3 i.V.m. § 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG i.V.m. § 43 Satz 2 AO der Arbeitgeber (hier: die GmbH), und nicht der Arbeitnehmer an das Finanzamt abzuführen.

Gegen die Entscheidung wurde Revision eingelegt. Das Verfahren wird beim BFH unter dem Az. VI R 19/20 geführt. Einschlägige Einspruchsverfahren ruhen nach § 363 Abs. 2 Satz 2 AO.