Ausgabe 47/2010
Steuertipp vom 25.11.2010

Schuldzinsen als nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen

Nach bisheriger Rechtsprechung waren solche Schuldzinsen nicht abzugsfähig, die erst nach Veräußerung einer im Privatvermögen gehaltenen Beteiligung i.S.d. § 17 EStG entstanden sind. Mit Urteil vom 16.03.2010 - VIII R 20/08 hat der BFH seine Rechtsprechung zur Behandlung nachträglich entstandener Schuldzinsen im Zusammenhang mit im Privatvermögen gehaltenen Beteiligungen i.S.v. § 17 EStG geändert. Die Aufwendungen können danach unter bestimmten Voraussetzungen als nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften als Kapitalvermögen berücksichtigt werden.

Voraussetzungen für die Berücksichtigung als nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen sind

  • das Vorliegen einer Beteiligung nach § 17 EStG,
  • die vollentgeltliche Übertragung der Beteiligung oder Auflösung der Gesellschaft und
  • Aufwendungen, die nicht aus Verbindlichkeiten resultieren, die durch den Veräußerungs- oder Liquidationserlös hätten getilgt werden können (Veranlassungszusammenhang der Schuldzinsen mit der bisherigen Einkünfteerzielung).

Bei einer teilentgeltlichen Veräußerung sind die Schuldzinsen nur anteilig abzugsfähig. Außerdem ist das Halbeinkünfteverfahren/Teileinkünfteverfahren gem. § 3c Abs. 2 EStG zu beachten.