Ausgabe 32/2019
Steuertipp vom 07.08.2019

Begriff des "groben Verschuldens" in Vertretungsfällen

Nach § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO sind Steuerbescheide zugunsten des Steuerpflichtigen aufzuheben oder zu ändern, soweit Tatsachen oder Beweismittel nachträglich bekannt werden, die zu einer niedrigeren Steuer führen, und den Steuerpflichtigen kein grobes Verschulden daran trifft, dass die Tatsachen oder Beweismittel erst nachträglich bekannt werden.

Das grobe Verschulden eines Vertreters ist dem Steuerpflichtigen zuzurechnen. Bei der Beurteilung des Verschuldens muss sich daher ein Steuerpflichtiger, der die Hilfe eines Angehörigen der steuerberatenden Berufe in Anspruch nimmt, dessen Fähigkeiten und Sachkunde entgegenhalten lassen (BFH, Urt. v. 26.08.1987 - I R 144/86, BStBl II 1988, 109). Ein eigenes grobes Verschulden des Steuerpflichtigen kann darin liegen, dass er die von seinem steuerlichen Berater gefertigte Steuererklärung unterschreibt, obwohl ihm bei Durchsicht der Steuererklärung ohne weiteres hätte auffallen müssen, dass steuermindernde Tatsachen oder Beweismittel nicht berücksichtigt worden sind (BFH, Urt. v. 28.06.1983 - VIII R 37/81, BStBl II 1984, 2).