Ausgabe 32/2016
Steuertipp vom 09.08.2016

Schuldzinsen als nachträgliche Werbungskosten bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung

Der BFH hat in seinem Urteil vom 16.09.2015 (BStBl II 2016, 78) entschieden, dass der Abzug von Schuldzinsen nach der Veräußerung der Immobilie als Werbungskosten nicht deshalb zu kürzen ist, weil die Klägerin den Rückkaufswert eines bestehenden und zur Darlehenssicherung dienenden Lebensversicherungsvertrags nicht zur Schuldentilgung einsetzte.

Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde:

Die zu Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bestimmte Immobilie wurde vom Eigentümer durch ein Festdarlehen fremdfinanziert. Das Festdarlehen war u.a. durch einen im Jahr 2027 ablaufenden Kapitallebensversicherungsvertrag abgesichert. Im Jahr 2007 wurde die Immobilie veräußert. Der Veräußerungserlös reichte nicht aus, um die Darlehensverbindlichkeiten abzulösen. Der Steuerpflichtige machte in den Jahren nach Veräußerung die auf das Festdarlehen geschuldeten Zinsen als nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend.

Das Finanzamt ließ die nachträglichen Schuldzinsen nicht zum Werbungskostenabzug zu. Nach dessen Auffassung wurde der Grundsatz des Vorrangs der Schuldentilgung nicht berücksichtigt. Der Abzug der nachträglichen Schuldzinsen hätte anteilig gekürzt werden müssen, wenn und soweit der Rückkaufswert einer Lebensversicherung nicht zur Schuldentilgung eingesetzt wurde.