Ausgabe 44/2012
Steuertipp vom 01.11.2012

Unklare Rechtslage bei Praxiseinbringung und Zurückbehaltung von Forderungen

Werden bei der Einbringung einer freiberuflichen Praxis in eine Sozietät Honorarforderungen zurückbehalten, ist steuerrechtlich ungeklärt, ob diese Forderungen

  • erfolgswirksam im Rahmen der Übergangsbesteuerung oder
  • als (fingierte) Privatentnahme oder
  • erst im Zeitpunkt des tatsächlichen Zuflusses

zu erfassen sind. Der BFH hat dazu bereits entschieden, dass Forderungen, die im Rahmen einer Praxiseinbringung zurückbehalten werden, nicht zwangsläufig in das Privatvermögen des Einbringenden übergehen (BFH, Urt. v. 14.11.2007 - XI R 32/06, NV). Erklärt der Steuerpflichtige nicht ausdrücklich eine Entnahme der zurückbehaltenen, betrieblich begründeten Forderungen ins Privatvermögen, kann er diese nach Auffassung des BFH auch ohne Betrieb als Restbetriebsvermögen behandeln und schrittweise einziehen.

Da das BFH-Urteil nicht im BStBl veröffentlicht ist und deshalb von der Finanzverwaltung nicht angewendet wird und zudem möglicherweise der Auffassung des BMF im Umwandlungssteuererlass entgegensteht (BMF-Schreiben v. 11.11.2011 - IV C 2 - S 1978 b/08/10001, BStBl I 2011, 1314, Rz. 20.08, 24.03), besteht in der Praxis eine erhebliche Rechtsunsicherheit.